Ein ganz normaler Samstag...

...beginnt normalerweise damit, dass man ganz entspannt ausschläft, morgens in aller Ruhe frühstückt und dann all die Dinge erledigt für die man unter der Woche keine Zeit hat und sei es einfach mal ein vier stündiger Mittagsschlaf. Da ich unter der Woche in Hamburg bin, dort arbeite und studiere, habe ich von Montag bis Freitag nicht die Möglichkeit meinem Hobby nachzugehen, sodass meine Bilder fast ausschließlich am Wochenende entstehen. Da man oft nur die fertigen Bilder sieht und nur selten einen Eindruck davon bekommt unter welchen Bedingungen diese enstehen, werde ich euch mit diesem Blogeintrag mal einen kleinen Einblick in meinen ganz persöhnlichen, typischen Samstag geben.

 

2 Uhr 30, der Wecker klingelt, das Großhirn sendet an die Ohren den Befehl den nervtötenden Klingelton zu ignorieren und das Kleinhirn schickt die Hand los um das Handy aus dem Fenster zu schmeißen. Doch irgendwo in den Tiefen des Unterbewustseins fängt der leidenschaftliche Fotograf an zu protestieren und zwingt mich dazu die Augen zu öffnen. Jetzt heißt es schnell zu sein, denn wenn ich es nicht schaffe in den nächsten 1-2 Minuten aufzustehen, dann werden meine Augen wieder zufallen und die Sonnen wird ohne mich aufgehen. Diese Hürde meistere ich mit bravur, bin ich es doch gewohnt am Wochende 4 Stunden früher aufzustehen als unter der Woche. Schnell angezogen, Regenjacke, Stativ, Taschenlampen und Fotoausrüstung geschnappt und ab ins Auto. Die frische und kühle Morgenluft weckt mich endgültig auf und ich genieße die leeren Straßen auf der Fahrt zum Königsstuhl. Dort angekommen warte ich noch kurz auf einen Bekannten und bewundere, wie schon so oft, die morgendliche Stille die nur vom Klagen eines Rehbocks durchbrochen wird. In der Stubbenkammer angekommen wird die morgendliche Ruhe fast mystisch. Alles ist ruhig, sogar der sonst unablässig das Meer in Bewegung haltende Wind scheint noch zu schlafen, sodass nur eine ganz leichte Brandung die Küste streichelt. Über allem thront der majestetische Königsstuhl... klick.

 

Königsstuhl im ersten Licht des Tages. Eine beinahe mystische Ruhe in der Stubbenkammer.

 

Ich mache noch einige weitere Bilder und wandere anschließend, unter dem Königsstuhl entlang, ein kurzes Stück Richtung Norden. Dort finde ich zunächst keine weiteren ansprechenden Motive, außerdem steht die Sonne schon recht hoch und das zarte Morgenrot ist einem harten, weißem Licht gewichen. Doch auf dem Rückweg komme ich an 4 Kolkraben vorbei, die auf der Suche nach einem Frühstück den Strand absuchen.

 

Kolkrabe in der Stubbenkammer.

 

Gegen 6 Uhr steht die Sonne so hoch, dass an vernünftiges Fotografieren nicht mehr zu denken ist und wir steigen die zahlreichen Stufen wieder hoch zum Parkplatz. Am Auto angekommen bin ich nicht nur etwas aus der Puste, nein ich stelle auch fest das ich den Haustürschlüssel vergessen habe. Da ich so früh niemanden wachklingeln möchte, halte ich auf dem Rückweg bei einer kleinen Wiese an, die geschützt vom umstehenden Buchenwald, noch im Schatten liegt. Leichte Nebelschwaben wabern dicht über dem Boden, ein Rehbock springt auf und fängt mit seinen typischen, an einen heiseren Hund erinnernden, Klagen an und einige Hummeln haben schon mit der Nektarsuche begonnen. Mit meinem Makro bewaffnet gehe ich vorsichtig durch die Wiese auf der Suche nach Libellen. Ich stoße auf zahlreiche Spinnen, die in ihren vom morgendlichen Tau benetzten Netzen sitzen und auf Beute warten, auf einige Grasfrösche und zahlreiche andere Wiesenbewohner, doch ich finde keine einzige, schön platzierte Libelle. Erst auf dem Rückweg, nahe am Waldrand, sehe ich eine kleine Libelle an einem einzelnen Grashalm sitzen. Leider ist es mittlerweile schon so warm, dass die Libelle aus ihrer nächtlichen Starre erwacht ist und immer wieder hinter den Grashalm flüchtet. Immerhin hebt sie, als ich frustriert aufgebe, nochmal das vordere Beim zum Gruß. Ich weiß nicht ob sie sich jetzt über mich lustig macht oder sich für ihre angeborenen Reflexe entschuldigen möchte... wer weiß. 

 

Libelle im Nationalpark Jasmund.

 

Nach 6 Stunden auf den Beinen knurrt mein Magen gewaltig, um so besser das zu Hause schon ein ordentliches Frühstück auf mich wartet. Danach hole ich ersteinmal ein paar Stunden schlaf nach und verfolge die Wetterentwicklung über der Insel. Das für den Nachmittag angekündigte Unwetter scheint tatsächlich aufzuziehen. Also heißt es gegen 16 Uhr wieder, Wanderschuhe schnüren, Fotoausrüstung einpacken und ab Richtung Jasmund. Vorher mache ich allerdings noch einen Zwischenstopp in der Nähe vom Schloß Spyker weil mir die dramatischen Wolken und die immer wieder durchbrechende Sonne auffällt.

 

Schauspiel über dem großen Jasmunder Bodden.

 

Weiter geht es zum kleinen Dorf Werder, von dort wandere ich Richtung Steilküste. Ich habe schon seit längerem eine Motividee im Kopf und würde sie gerne heute umsetzen. Doch das Gewitter wartet leider nicht bis ich oberhalb der Kieler Bucht auf Position bin, sondern bricht ziemlich heftig über mich herein als ich mitten im Wald bin. Währrend der etwa 45 minütigen Wanderung prasselt unablässig ein heftiger Regen auf mich nieder und ich bin froh das ich nicht nur meine Regenjacke dabei habe, sondern auch noch mein Raincase für Kamera und Fotorucksack. Endlich am Ziel angekommen ist das Gewitter schon fast am Horizont verschwunden und nur noch die dicken Regenwolken hängen tief über dem Jasmunder Buchenwald. Durch den mittlerweile kräftigen Wind ist die Ostsee aufgewühlt und von der Ruhe am Morgen ist nichts mehr zu spüren. Mir wird bewusst wie extrem das Wetter doch das Gesicht einer Landschaft verändern kann und ich mache ein paar Fotos.

 

Kieler Bucht nach einem heftigem Gewitter.

 

Obwohl es jetzt schon um acht ist und ich schon fast 18 Stunden auf den Beinen bin, entschließe ich mich dazu noch zum Strand herab zu steigen. Durch den starken Regen ist der kleine Kieler Bach auf ein beachtliches Maß angeschwollen und trotz erneut einsetzendem Regen und wenig Licht packe ich nochmal die Kamera aus und hole mir zum dritten mal am heutigen Tage nasse Füße. 

 

Kieler Bach nach starkem Regenschauer.

 

Die Regenwolken scheinen sich jetzt über Jasmund festgesetzt zu haben und es regnet und regnet und regnet. Mein Fotorucksack ist mittlerweile doch durchgenässt, meine Hose und Schuhe sowieso, nur meine Jacke hällt noch stand. Unten am Strand mach ich eine kleine Pause, schaue den Möwen beim jagen zu und lasse die Seele baumeln. Ein paar Fotos mache ich auch hier, die dichte Wolkendecke reißt etwas auf und im Himmel ist endlich etwas Kontur zu sehen.

 

Kieler Bucht nach einem heftigem Gewitter.
Kieler Bucht nach einem heftigem Gewitter.

20:30, ich bin müde und ich freue mich aufs Abendbrod und mein Bett. Ich packe meinen Kram ein und trete den Rückweg an. Kurz bevor ich beim Auto ankomme trifft mich ein Sonnenstrahl, der duch das dichte Blätterdach fällt, mitten im Gesicht. Ich blinzle und schaue durch eine kleine Lichtung rauf zum Himmel. Kaum noch Wolken, eine kräftige gelbe Sonne und noch knapp 30 Minuten Zeit bis zum Sonnenuntergang. Meinen knurrenden Magen und meine müden Beine ignorierend renne ich den letzten Kilometer bis zum Auto. Meine Sachen fliegen in den Kofferraum und das Auto regelrecht nach Glowe. Das Abendbrod und das Bett müssen also noch etwas warten. Glowe erreiche ich leider erst kurz nach Sonnenuntergang, aber lieber spät als nie und so nehme ich mir meine Kamera und gehe runter zum Strand.
 
Sonnenuntergang über der Ostsee bei Glowe (Rügen).

 

Der schöne Sonnenuntergang war ein würdiger Abschluss für meinen Fotosamstag und währrend ein Teil von mir sich schon auf das Bett freut, freut sich der leidenschaftliche Fotograf in mir bereits auf das nächste Wochenende. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Sandra (Mittwoch, 26 Juni 2013 09:27)

    Sehr schön geschrieben und man findet sich doch wieder ;)

    Aber die Ergebnisse sind immer wieder Belohnung genug. Schöne Ausbeute, tolle Fotos!

  • #2

    weinert-naturfoto (Freitag, 28 Juni 2013 22:13)

    Hallo Florian,
    es hat mir Spaß gemacht deinen "Fotografen-Alltag" zu verfolgen und deine schönen Bilder, die dabei entstanden sind, zu bewundern. Eine starke Homepage hast du hier aufgebaut.

    VG
    Mario

  • #3

    Sven (Montag, 01 Juli 2013 22:38)

    Toll! du hast das Ritual des morgendlichen Aufstehens wunderbar auf den Punkt gebracht, ich liege flach hier :-D

    Erstes Bild ist für mich ganz großes Kino, echt toll! Freue mich schon zu sehen, was du aus dem letzten WE geholt hast...

    lg
    Sven